Einmal um den Block
Einmal um den BlockEr ist wegen Sanierungsarbeiten immer noch gesperrt, der See, an dem ich einen Großteil der Sommernachmittage meiner Jugend verbracht habe.
Mein 28er Fahrrad war hellblau wie der Walkman, den mir meine Mutter nach wochenlangem Betteln mit dem neuen, bunten Geld kaufte, und sonnte sich mit sechseinhalb Tageskilometern auf dem Tachometer zwischen den Pappeln mit den damals noch dünnen hellgrauen Stämmen und den nervösen Blättern.
Ein Spargeltarzan von dreizehn, vierzehn war ich, mit roter Badehose, deren Schnitt heute möglicherweise wieder modern wäre. Und wenn man sich mit röhrichtverpieksten Füßen durch den schmalen, freigeschnittenen Abschnitt des Schilfgürtels am Westufer durchgekämpft hatte, ins huminbraune Wasser, in dem die Haubentaucher die Grenze zwischen oben und unten verwischten, dann konnte man das andere Ufer sehen, an dem die Nackten lagen, und an das ich mich aus Angst vor einem Spontanständer nie hingetraut habe. Jedenfalls nicht, bis ich achtzehn und testosteronschwitzend bis in die Haarspitzen war.
Wenn man sich im Wasser hängen ließ, war es selbst im Hochsommer unterhalb der Knie kalt. Und es übte eine seltsame Faszination aus, die Luft anzuhalten, so lang es ging und manchmal ein wenig länger, und in diese Schicht zu tauchen, sich dort auf den Rücken zu drehen und nach oben in den Himmel zu sehen, der zwei, zweieinhalb Meter entfernt war, unscharf, verwellt, und der aus der modrigen Dauerkälte hier unten wie dünner Malzkaffee mit flockiger Milch schien.
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Der Hund schnüffelt am sandsteinernen Sockel des Vorgartenzauns, der geduldig jedes dreibeinig servierte Mitteilungsbedürfnis aufnimmt. In der dünn belaubten Krone des greisen Apfelquittenbaums kleben die fäustchengroßen, gelben Früchte dieses Jahres vor einer schnell hereinbrechenden nächtlichen Leinwand. Nur noch eine Handvoll Sommerfliederkerzen bietet sich blütenweiß überhängend den zeitlupig schwebenden Nachtfaltern an, es riecht betörend, wenn man in sie eintaucht, und doch ist der Verfall auch ihnen schon innewohnend. Auf dem ermüdeten Asphalt kreuzen sich zwei Lichtkegel.
Danach ist Stille.
Der Hund schaut auf.
Du bist so nah und so fern, wie damals der Wolkenhimmel überm torfigen Wasser.
Iyeoka: Simply falling