Alle meine Schwänze
(so ich hoffe ich habe das richtig gemacht...als neuling...kurzgeschichten im hauptbereich zu posten...falls nicht...dann...sorry dafür...ich bin unwissend!!! so jetzt abba nochmal:)Alle meine Schwänze
~ Betrachtungen einer Knieenden ~
Ich habe mir einmal vor ein paar Jahren eine Aufgabe gestellt. So ganz heimlich und innerlich. Ich saß in der Straßenbahn. Es regnete. Ich glaube es zumindest. Denn ich erinnere mich nur noch, dass die Menschen in der Straßenbahn verregnet rochen, als ich mir meine innerliche Aufgabe stellte.
Es roch irgendwie allzu menschlich, ganz süßlich, ein wenig unangenehm, so dass ich vermutlich dasaß, in eine Ecke der überfüllten Bahn gequetscht und versuchte möglichst flach und durch den Mund zu atmen.
Wenn es regnet sind die Straßenbahnen der Stadt schlagartig voll und die Menschen drängen und pressen sich eng aneinander.
Und in einem solchen Augenblick der feuchten Enge stellte ich mir meine Aufgabe:
Ich wollte bei jedem Menschen in dieser Bahn etwas Schönes finden. Irgendetwas.
Ich machte mich mit meinen Augen auf die Suche, glitt über ausdrucklose Gesichter, triefende Haare und Nasenrücken, weiter über Regenjacken- und Mantelverhüllte Körper, über Arme und Hände, die ihre Regenschirme wie Schwerter vor ihrer Brust wappneten.
Ich glitt über sitzende und stehende Körper.
Kleine und Große.
Manche leicht nach vorn gebeugt.
Manche strahlend und protzend.
Körper über Körper.
Atmende.
Vegetierende.
Körper.
Ich mittendrin.
Und Ich begann zu sehen.
Die Schönheit.
In Jedem.
Sie zeigte sich zunächst ganz unscheinbar und dort wo man sie kaum vermuten würde.
Manchmal waren es die Augenbrauen. Manche Menschen haben wunderschöne Augenbrauen. Bei anderen waren es die Ohren, genauer gesagt die Art und Weise wie sich ihr Ohrläppchen an den Kieferknochen schmiegt. Kieferknochen - auch sie können wunderschön sein. Mit Bartstoppeln überzogene kantige Kieferknochen. Manche Menschen haben schöne Lippen und Hände, manche haben schöne Augen. Glühende, funkelnde. Manche haben ein schönes Lachen. Oder schöne widerspenstige Löckchen. Manche Menschen haben Schlüsselbeine zum daniederknien.
Manche haben einen Nacken mit kleinen Häärchen darauf und man kann sich kaum noch zurückhalten so gerne möchte man ein paar kleine Küsse dorthin tupfen.
Ich sehe dort schräg hinten eine junge Frau, das Gesicht ein einziger Streuselkuchen. Ihre Oberlippe ist perfekt. Man könnte es allzu leicht übersehen. Aber mir passiert das heute zum Glück nicht. Ich sehe sie. Diese wunderschönperfekte Oberlippe.
Ein Obdachloser in der Bahn hat die sensibelsten, grünlichsten Augen. Er blickt traurig und stumpfsinnig auf seine gefalteten, verknoteten Hände.
Aber dieser Blick, dieser wundersam traurige, sensible, grüne Blick - SCHÖN!
Ich sitze in der Bahn und fange an mich aufzurichten.
Ich bin begierig noch mehr Schönheit zu finden.
Ich bin begeistert.
Man muss sich nur mal die Mühe machen.
Man muss nur mal genauer hinschauen.
Man muss nur mal das Glück haben in einer Straßenbahn zu sitzen, die dank ihrer beschlagenen Fenster keinen Blick in die Aussenwelt zulässt und einen zwingt den Blick hier im Inneren zu lassen. Hier bei den Menschen.
Und dann wird einem klar was für ein Geschenk man soeben erhalten hat.
"Und was hat das nun alles mit Schwänzen zu tun?", wird sich der werte Leser an dieser Stelle langsam fragen.
Najaaaaaa....sag ich da.....eine weitere Aufgabe die ich mir mal vor Jahren gestellt habe war, dass ich mir geschworen habe das Transferdenken zu fördern...