Der erste Monat ist geschafft...
Kanzler und Präsidenten legen meist nach den ersten 100 Tagen im Amt Rechenschaft ab. Ich will mich mal nach dem ersten Monat melden und ein kleines Feedback geben. Ich " musste" mich ja beruflich nochmal neu orientieren und hatte damals gesagt, dass ich meiner sozialen Ader mehr Raum geben wollte. Was soll ich sagen..... es war genau die richtige Entscheidung. Seit November bin ich nun in einer Wohngruppe für an Demenz erkrankte Bewohner als Pflegekraft tätig. Und ich hab noch keinen Moment bereut. Ich bin so dermaßen erfüllt von meiner Tätigkeit..... es macht mir so viel Freude. Ich beziehe meine Motivation aus dem unmittelbaren Dank der Bewohner. Ein Lächeln eines ansonsten doch eher in sich gekehrten Mannes, ein Sreicheln einer ansonsten fast regungslos im Schoß liegenden Hand, ein frohes Winken der Bewohner, wenn " Schwester Ingrid" ihren Dienst antritt und alle ihr Anvertrauten begrüßt..... all das ist so viel Dank für mich.... und wenn man dem Buschfunk Glauben schenken darf, ist man auf der Chefetage auch angetan von meiner fröhlichen , mitfühlenden aber dennoch resoluten Art . Sicher ist es anstrengend und ich brauch nach 8h Dienst meist erstmal nen starken Kaffee und ne Stunde zum Wiederrunterkommen.... aber ich hab noch keinen Moment an der Richtigkeit meiner Entscheidung gezweifelt. Und ich hab schon desöfteren in verwunderte Gesichter gesehen, wenn ich ihnen voller Begeisterung von meiner neuen Arbeitsstelle berichtet habe. Als ob man es nicht für möglich halten kann, dass Pflegealltag auch Spaß machen kann.
Ich will natürlich nicht verschweigen, dass es auch bei uns, wie vielerorts , an Personal mangelt und wir oftmals unterbesetzt sind. Die emotionale Komponente kommt oft zu kurz. Dieses sich einfach mal, für die Sorgen der Dementen, Zeit nehmen..... das bleibt oft auf der Strecke. Und dabei ist es gerade bei diesen Bewohnern wichtig, die doch merken, dass sie sich verändern, viel vergessen, und sich teilweise erst noch daran gewöhnen müssen, aus dem heimischen Umfeld herausgenommen worden zu sein, oder sich gar abgeschoben fühlen..., eben bei diesen Bewohnern ist es meines Erachtens nach wichtig, ihnen ein sicheres Gefühl zu vermitteln. Da reicht es manchmal, sich mal zu ihnen zu setzen und ihnen geduldig ( gerne auch zum 100. Male) zu erklären, dass die WG jetzt hier neues zu Hause ist und wir für ihre Sorgen und Nöte da sind. Ein Aufatmen und " Danke Kindchen " .... was will man mehr...
Ich hoffe, dass ich euch nicht gelangweilt habe , aber ich wollte euch gerne an meiner Freude teilhaben lassen.